Fotografierte vor zwei Wochen bei einem Paintballjunggesellenabschied. Konnte selbst nicht mittun, da mein Fuß nicht belastbar war, aber vielleicht war es besser so.
Warte jetzt auf den Anruf vom Life-Magazine und packe schonmal für den Embedded-Einsatz.

1962 – 2010
Oberflächlich betrachtet ist Taryn Simons Projekt Bloodlines eine umfangreiche Ansammlung von nüchternen, immer gleich gestalteten Portraits, angeordnet auf immer gleich gestalteten Sheets, mit zusätzlichem Text und Bildmaterial. Sie zeigen Blutlinien, also Familien, ausgehend von einer Person, bis hin zu den Enkeln, oder Urenkeln. Thematisch aufgeteilt werden die Sheets in mehreren Kapiteln.
So zeigt das erste, Arbeitstitel gebende Kapitel die Familien von indischen Bauern, die von ihren Angehörigen für tot erklärt wurden, um das Land ein zu streichen. An anderer Stelle sieht man die weitläufige Abstammungslinie eines AIDS heilenden kenianischen Mediziners und seiner neun Frauen. Thematisiert wird auf diese Art unter anderem noch Familienplanung und Propaganda in China, Massenmord in Bosnien und der Versuch die Hasenpopulation in Australien mittels einer künstlichen Erbkrankheit einzudämmen.
Über tausend dieser Portraits bilden ein Archiv, das, je länger man sich mit den Bildern beschäftigt, den Eindruck von Zufälligkeit verliert und erstaunliche Zusammenhänge offenbart, die einen mehr oder weniger konkreten Blick von Außen zulassen auf eine über den Erdball verstreute Gesellschaft, deren Verhalten sowas wie ein Muster offenbart, das darauf schliessen lässt, dass der Einfluss darauf, dass sich sowieso alles wiederholen wird, ziemlich gering ist.
“Archives exist because there’s something that can’t necessarily be articulated. Something is said in the gaps between all the information.” (Taryn Simon)
Ich mag Taryn Simon und bewundere ihren Konzept-geprägten Stil und ihre einfache Bildsprache. Ihren früheren Ted-Talk fand ich schon toll, den neuen aber wirklich großartig. Ich mag auch ihre Art der Präsentation, ihre nüchterne, ungeheuer präzise Sprache und den Zusammenhang den sie herstellen kann. Ihre Arbeit ist seit einigen Jahren der Beweis, dass die Möglichkeiten von Fotografie weit über Ästhetik hinaus gehen sollte.
Wie ungemein schwierig das sein kann diesen Anspruch an Fotografie zu haben, erlebe ich aber gerade selbst: Habe seit fast einem Monat eine neue Kamera, fotografierte aber die letzten Monate nur noch mit meinem Smartphone…
Ich brauche eine Idee um zu fotografieren. Ein Projekt. Damit stehe ich mir so gern selbst im Weg, aber einfach so umher knippsen, das kann ich schon seit einiger Zeit nicht mehr.
Peter Lindbergh spielt rum
Peter Lindbergh: 3 Filme, NRW-Forum Düsseldorf 16.03. bis 12.04.2012 from nrwforumduesseldorf on Vimeo.
Peter Lindbergh als Modefotograf zu bezeichnen ist so, als würde man Kate Moss auf eine Schaufensterpuppe reduzieren. Der Mann hat eine Vorstellungsgabe und ein Talent eine Welt zu erschaffen, die fast unvergleichlich ästhetisch ist und trotzdem voller untergründiger Tiefe, dass es bei mir Kribbeln auslöst. Sein Spiel mit kulturellen Referenzen und Selbstreferenzen konnte man toll in dieser ARTE-Fotografen-Doku beobachten (lief vor ein paar Jahren mal) und gleichzeitig erfuhr man, was für ein wunderbar onkeliger und gleichzeitig (im besten Sinne) kindlicher Mensch das ist.
Wie er entdeckt, erfährt, erfindet und spielt erklärt er ein bißchen im Teaser über seine 3 Filmexperimente vom NRW-Forum (die Idee hat er übrigens von mir geklaut, ich hatte nur noch nie darüber gesprochen).
Dort sind sie auch ab morgen zu sehen. Da ich es in letzter Zeit sowieso nicht mehr auf Ausstellungen geschafft habe, verzichte ich diesmal zermürbt auf die Ansage, dass ich ganz bestimmt hin gehe.
The City of Samba from Jarbas Agnelli on Vimeo.
Die Sache mit den Effekten in der Fotografie und im Film ist ja so: Beim ersten Sehen überrascht, dann langweilt es einen, wenn alle aufgesprungen sind. Bei HDR hat mitlerweile wohl auch der letzte verstanden, dass es im Extrem angewandt nur schlimm aussieht. Hipstamatic wird auch mal seinen Reiz verlieren und Tilt-Shift… naja, wieviele Miniaturfotos und Videos will man denn noch sehen, wenn man ein paar hinter sich hat?
Wenn sie so gut sind wie The City of Samba, noch viele. Und ich glaube so ist das mit Effekten. Am Anfang können sie schlechten Fotos noch irgendwie Charme abgewinnen, der sich bei der hundertsten Wiederholung verflüchtigt, aber wenn man damit umgehen kann, dann wird der Effekt zum Stilmittel und wertvoll.
Das Video hab ich im Netzfilmblog gefunden.
Das Letzte, was ich hier tun werde ist, mich beim Fotografieren aus narzistischen Gründen filmen zu lassen. Wer also die Überschrift mißverstanden hat (wahrscheinlich niemand), den muss ich hier enttäuschen, oder beruhigen.
Je nachdem.
Ich stelle fest, dass ich beim Fotografieren, auch bei Jobs, immer öfter auf meine Weitwinkel zurück greife und schon die Normalbrennweite immer weniger zum Einsatz kommt. Das 85mm noch seltener. Ich werde immer weitwinkliger, denn ich mag Weitwinkelaufnahmen sowieso viel lieber als Tele und zur Dokumentation kommt es dem menschlichen Blickwinkel viel näher.
Ich betrachte gerne ein Bild länger, schaue mir Details an, möchte die Raumwirkung erfahren und da sind mir Ausschnitte auf denen man ausser dem Motiv nur Unschärfe sieht viel zu langweilig. Überhaupt: Wieviel mehr kann man an Spannungen und Beziehungen in Bildern zeigen, wenn sie mehr sind, als nur eine Dimension und dem Rest als ästhetische aber langweilige Unschärfe?
Natürlich mache ich bei Veranstaltungen auch Close-Ups der Speaker, aber selbst dann versuche ich irgendwie einen Bezug zum Vorder- oder Hintergrund herzustellen.
Gerade Konzertfotografien, die einen komplett isolierten Musiker, am besten noch vor schwarzem Hintergrund zeigen, geben mir wirklich gar nichts.
Vorgestern habe ich beim Advance-Founder-Leaks im Betahaus für das Mediencluster NRW fotografiert. Hier sind ein paar weitwinklige Aufnahmen davon. Eine Gallerie meiner Bilder gibt es auf der Facebookseite der Veranstaltung.
Artikel
- Markieren
- A Kingdom For A Sparklehorse
- Die Archivierung von Blutlinien
- Peter Lindbergh spielt rum
- The Little Tilt Shift City of Samba
- Fotografieren mit dem Wide Angle
- Über einen Mann, der versucht mit Kaffee die Welt zu verbessern
- Like Walking On Unbroken Glas
- Zeitzeichen
- Ok, NOCH ein Musikvideo
- Doch mal wieder ein Musikvideo…
- 30 Years Of Overwhelming Joy
- Unter Konstruktion
- Nils Frahm. Ambientfestival
- Ambient isn´t for everyone
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